Kleinkrantz Child Care and Youth Development Center - Ons Huisie Op die Sand

 

 

Liebe Freunde, liebe Familie

 

wir hier den ersten Frühlingstag gefeiert und obwohl die Nächte noch kühl sind, merkt man schon wie die Tage länger und wärmer werden. Sarah und Jan unsere beiden neuen Praktikanten aus Hamburg sind angekommen und werden uns nun für die folgenden 6 Monate begleiten. Lisa und Vera, die vor einem Jahr ihr Praktikum bei uns begonnen haben, haben wir im Juli verabschieden müssen. Beide haben hier einen großartigen Einsatz gezeigt, und ich glaube, dass auch sie ein kleines Stück Afrika im Herzen behalten haben. Wir wünschen Vera und Lisa für ihr Studium alles Gute und Gottes Segen.

 

            

Die größte Veränderung der nächsten Wochen wird wohl die Vollendung unseres “Jugendhauses” bringen. Unser Vermieter hat neben unsere Holzhäuschen ein zweistöckiges Wohnhaus gebaut, das wir ebenfalls angemietet haben. In das obere Stockwerk werden die Praktikanten einziehen und in der unteren Etage, immerhin 100 qm Fläche werden wir die Nachmittags betreuung unterbringen. Somit haben die Krabbelkinder dann ihren eigenen Raum in der ehemaligen Nachmittagsbetreuung. Das ist auch gut so, denn der Kindergarten platzt mit 18 Kindern fast aus allen Nähten und mittlerweile stehen schon Kinder auf einer Warteliste. Wir beschäftigen jetzt schon vier junge Frauen als Erzieherinnen: Marlene und Anna in Kindergarten und Krabbelgruppe und Justine und Berenice in der Nachmittagsbetreuung. Zusammen mit Nicolene, die zur Zeit noch in der Küche hilft, drücken Marlene, Anna und Berenice jeden zweiten Samstag die Schulbank im South Cape College George in einem Kurs über Early Childhood Development. Justine ist bereits ausgebildete Erzieherin und eine hervorragende Kraft, aber leider wird sie uns Ende des Jahres verlassen.

    

            

 

Unsere drei Kindergruppen – die Krabbelgruppe, der Kindergarten und die Nachmittagsbetreuung für die Schulkinder - werden sehr gut angenommen. Alle drei Gruppen laufen und obwohl es hier und da mal Problemchen gibt, sind die Gruppen und die Kinder stark. Wir bekommen positives Feedback von den Eltern, die uns stolz mitteilen, wie Ihr Kind sich entwickelt, und auch die Klinikschwester, die einmal im Monat mit ihrem Kleinbus nach Kleinkrantz kommt, freut sich wie gesund und gut ernährt unsere Kinder sind. Justine, unsere Erzieherin im Hort, hat die Lehrer und Lehrerinnen der drei Schulen besucht, die unsere Kinder hier besuchen. Sie hat ihnen von dem Center und den Aufgaben der Nachmittagsbetreuung berichtet. Die LehrerInnen haben dies positiv aufgenommen und uns ihre Unterstützung und Zusammenarbeit zugesagt. Seitdem haben fast alle Kinder immer Hausaufgaben. Sie erkennen jetzt, wie wichtig es ist, seine Hausaufgaben zu machen, wie gut sich das anfühlt, wenn jemand einem dabei hilft und wenn die Lehrerin hinterher sieht, dass die Hausaufgaben gemacht und richtig sind.

 

            

Was uns zur Zeit aber große Sorge bereitet ist, dass offenbar überdurchschnittlich viele unsere Kinder lernbehindert sind. Ursache dafür ist wohl das fetale Alkoholsyndrom, denn viele der Mütter hier im Tip sind Alkoholikerinnen und haben auch während der Schwangerschaft Alkohol genossen. Das führt dazu, dass die Kinder mit teilweise irreparablen Hirnschäden geboren werden. Ich bin immer wieder erschrocken, wie klein und unterentwickelt FAS-Kinder sind, vor allem, wenn ich sie mit meinem 16 Monate alten Sohn Joshua vergleiche. Bei den Schulkinder wissen wir nicht immer, welches der Kinder unter FAS leidet, aber im großen und ganzen würde ich behaupten das mindestens 50% der Kinder lernbehindert sind und in größerem oder geringerem Maße die Anzeichen von FAS aufweisen. Sie können sich nicht konzentrieren und sind lernschwach, emotional instabil, häufig hyperaktiv und absichtlich destruktiv, haben überdurchschnittlich lange Reaktionszeiten und Schwierigkeiten im Verstehen von abstrakten Dingen und logischen Zusammenhängen.

 

            

Einige Lehrerinnen haben uns diese Verhaltensauffälligkeiten bestätigt und wissen selber nicht, wie mit diesen Kindern umzugehen ist. Ein Sonderschulsystem gibt es in Südafrika für die Grundschule nicht. Erst ab der siebten Klasse könnten unsere Kinder eine weiterführende Sonderschule besuchen. Aber es ist schwierig, dort einen Platz zu bekommen. Die Eltern müssen sich selbst um einen Termin beim staatlichen Schulpsychologen bemühen, und das ist für viele Eltern ein große Hürde. So gehen die Kinder weiterhin in die Regelschulen, wo sie natürlich große Schwierigkeiten haben, bis sie dann früh die Schule verlassen. Sie können schlecht Arbeit finden, sind schneller drogenabhängig und begehen häufig Straftaten. Wir im Center werden uns wohl noch sehr mit diesem Thema beschäftigen müssen. Die alleinige Bemühung, den Kindern mit den Hausaufgaben zu helfen, wird nichts bringen. Es muss für sie angemessene Lernbereiche geben, zum Beispiel Werkstätten, in denen sie praktische Fähigkeiten erlernen ohne den Druck von geistiger Leistung. Außerdem müssten sie aus ihrem sozialen Umfeld für eine Zeit herausgenommen werden, so dass sie in einer sicheren Umgebung sich selber entdecken können. Eine weitere Gruppe, um die wir uns in Zukunft verstärkt kümmern möchten, sind die Jugendlichen. Jungen wie Mädchen hängen auf der Straßen ab, rauchen Marijuana und/oder konsumieren chemische Drogen wie Tik (Chrystal Meths) und haben schon früh erste sexuelle Erfahrungen. Alle Mädchen über 17 sind entweder schwanger oder haben schon kleine Kinder. Viele sind bereits HIV positiv, aber es fehlt das Bewusstsein dafür, wie man sich vor dem Virus schützen kann. Daher sollen im Jugendhaus neben der Nachmittagsgruppe für die 6-11-Jährigen zukünftig auch Programme für die 11 bis 16-Jährigen stattfinden: Neben der Hausaufgabenbetreuung auch Freizeitgestaltung und gesundheitliche Aufklärung. Abends möchten wir Angebote für die jungen Erwachsenen organisieren. Das heißt nachmittags wird gepaukt und gespielt und abends gibt es dann vielleicht Musikstunden, Computerkurse, Abendschule für Schulabgänger, Yogastunden, o.ä. Am Wochenende können die Räume für Videoabende oder andere Veranstaltungen genutzt werden. Wir sind gerade dabei, Mobiliar und Spielmaterialien, wie z.B. ein Tischfussball zusammenzusuchen. Und wir benötigen auch immer noch dringend einen Kleinbus, um die Kinder zu transportieren.

 

     

 

 

Unsere Herausforderungen wachsen und es stellen sich immer wieder neue Aufgaben.

 

Wir möchten natürlich wieder allen danken, die uns finanziell helfen. Das viele Geld hilft unseren Kindern, mir gibt der Gedanken an die Menschen zu Hause auch immer wieder neuen Mut für meine Arbeit hier, ganz herzlichen Dank.

 

Bitte schließen Sie uns und unsere Mitarbeiter auch in Ihre Gebete mit ein. Möge der Herrgott uns Kraft geben, dass wir uns den tagtäglichen Herausforderungen unsrer Arbeit stellen können.

 

 

         

        Ihnen allen schon jetzt einen schöne Adventszeit und für das Weihnachtsfest Gottes reichen Segen.

                                         

   

 

   Ihre Monika Bertels, Watson Nyembe und das Team von Kleinkrantz

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