Bewertung von Stefan Franzen im Rolling Stone (deutsche Ausgabe Dezember 2006)

 


„Wie gehabt: melodiöser Gitarrenpop mit schönen Zulu- Färbungen. Liegen die „Scatterlings of Africa“ wirklich schon fast ein Vierteljahrhundert zurück? Der „weiße Zulu“ ist seit Ende der Siebziger im Geschäft, seine frühen Erfolge gingen der Weltmusik-Welle voraus. Und auch wenn die längst verebbt ist, Cleggs Sound hat ihr Kommen und Gehen unbeeindruckt überlebt. Was nicht heißen soll, das jetzt Langeweile aufkommt. „One Life“ enthält 15 Songs mit viel typischem Hitpotential zwischen melodiösem Gitarrenpop und zupackenden Zulu-Färbungen in Chören und Rhythmen. Ein Opener mit leichtem Latin-Unterbau ist da noch eher außergewöhnlich, dann aber startet der Mann aus Johannesburg in die stampfende Hymne „Jongosi“, die mit bombastischer Spurenauffüllung einschließlich Afro-Chören nicht geizt - und schon ist er auf seinem Turf, seinem Terrain angekommen. Das mit Juluka und Savuka dekadenlang erprobte Schema ist simpel aber effektiv: Dick aufgetragene und stringent gebündelte rhythm section mit handfesten Chorsätzen, dazwischen regieren die locker swingenden Gitarren-Riffs und seine fordernd nasale Narration. Am stärksten sind die ausscherenden Momente: das testosteronschwangere „Bull Heart“ mit rotzig angerissener Stromgitarre, das gemächlich trabende Thamela mit Afrikaans-Strophen, einer schwer atmenden Concertina, die einen Zulu-Chor schnaufend einfärbt, oder die außergewöhnlichen Harmonien des Refrains von „Touch The Sun“. Cleggs Lyrik ist zuweilen plakativ in ihrer politischen correctness, wendet sich gegen Machtgier, Kindersoldaten, ruft auf zu demokratischer Wachheit und greift Zulu-Weisheiten auf, er schwelgt aber auch mal in vergangenen Tagen. Angesichts der rasanten Entwicklung der urbanen Musik Südafrikas mag alles ein wenig antiquiert klingen, doch einige solide Songs erinnern an Cleggs kreativsten Zeiten."


Photos von Johnny´s letzter Tournee

Johnny Clegg: Sein Weg

 

Johnny Clegg’s leiblicher Vater war Jagdflieger bei der RAF (Royal Air Force) als er am 13.7.1953 in der Nähe von Manchester/UK geboren wurde. Seine Mutter war jüdischer Abstammung und Jazzsängerin. Die Ehe scheiterte und nach einem kurzen Aufenthalt in Israel zog  seine Mutter mit ihrem kleinen Spross zurück in ihre Heimat  nach Rhodesien (das heutige Zimbabwe). J.C: „Das war das unglaubliche an meiner Mutter - sie träumte davon, Ella Fitzgerald zu sein - und aus diesem Grund verstand sie  von Herzen die Sehnsucht nach einer Musik, die kultur- und genreübergreifend ist“.
1961 hat seine Mutter Dan Pienaar, einen Afrikaans Intellektuellen und  Journalisten geheiratet und war nach Südafrika gezogen. Dan Pienaar erschloss dem jungen Johnny nicht nur eine neue musikalische Welt mit seiner hervorragenden Sammlung von Kwela Musik, sondern auch die Welt der Apartheid mit dem Leid in den Townships. Nach einem kurzen Aufenthalt in Zambia kehrte die Familie nach Johannesburg zurück, wo sein Vater im Township Alexandra, das später dem Erdboden gleichgemacht wurde um dem weißen Ortsteil Triomf zu weichen, „einer Blechbläsergruppe das Trommeln  beibrachte“. Und  Johnny  setzte sich damals mit den Tücken der klassischen spanischen Gitarre auseinander bis er Charlie Mzila 1967 und Sipho Mchunu 1969 kennen lernte, die ihm die Tücken der Zulu oder Maskande Gitarre beibrachten. Der Unterricht fand in den Townships statt, eine „no-go area“ für Weiße - in der er in die Gemeinschaft der Zulus aufgenommen wurde, die Gitarre (obwohl er die Herausforderung Sipho Mchunus mit Bravour verlor), die Zulu-Sprache, den Zulu Tanz als auch das Stick-fighting meisterte. Die Townships waren die Wurzeln eines Musikers, der heute zu den Kriegern der  Zulu Nation  gehört.  J.C: „Ich stellte mir vor, dass ich eine Art kultureller Tarzan war."
Ein Spagat - Johnny Clegg studierte Ethnologie an der Universität von Witwatersrand und war bis 1982 Dozent - bis er sich ganz der Musik und dem Schicksal der unterdrückten schwarzen Mehrheit widmete.
1976 hatten Sipho Mchunu und Johnny Clegg bereits einen lokalen Hit mit der Single „Woza Friday“. Die Verbindung zwischen englischen Text, westlichen Melodien und der Musik der Zulus  führten zu Juluka. Und Juluka war eine Provokation für das Apartheid-Regime. Wegen des Radioverbots konnte das Publikum Juluka nur live und mit Mund-zu-Mund Propaganda erreichen. Zensur und Verbote pflasterten den Werdegang. Nach „Universal Men“ gelang der Durchbruch 1981 mit dem zweiten Album „African Litany“. Nach der Veröffentlichung des dritten Albums „Ubuhle Bemvelo“ tourte Juluka ab 1982 international  bis zur Auflösung 1985. Johnny Clegg gründete Savuka, die die cross-over Elemente mehr betonte und eine Synthese mit keltischer Volksmusik und "global music" suchte. Trotz seines international anerkannten Engagements unterstützte er Sipho Mchunus Solokarriere und baute nach der Auflösung des Apartheidstaates 1990 und dem Ende von Savuka 1993 zusammen mit Sipho Mchunu Juluka neu auf. Die internationalen Tourneen fanden ihren vorläufigen Höhepunkt bei einem Konzert 1999 in der Frankfurter Jahrhunderthalle, als Juluka zusammen mit Nelson Mandela auf der Bühne standen und gemeinsam „Asimbonanga“ sangen.
Und wie ging es und geht es weiter? 2002 kam Clegg’s erstes Soloalbum „New World Survivor” heraus, 2003 eine Live-CD “A South African History, seine gleichnamige Bühnenshow in Südafrika und eine DVD-Kompilation mit „historischen“ und  aktuellem Material. Johnny Clegg hat sich in den letzten Jahren sowohl auf internationale Engagements in Nordamerika und Europa als auch auf seine neues Album "One Life" konzentriert. 


„Bits of song and broken drums
are all he can recall
So he spoke to me in a bastard tongue
Carried on the silence of the guns”

Von “Third World Child”


Komplette Diskografie:

•    1978 The Cologne Zulu Festival (1992)
•    1979 African Litany
•    1979 Universal Men
•    1982 Scatterlings (European version)
•    1982 Ubuhle bemvelo
•    1983 Work for All
•    1984 Musa ukugilandela
•    1984 Stand Your Ground
•    1984 The international tracks
•    1985 The Johnny Clegg & Savuka ep
•    1985 Third World Child
•    1986 The good hope concert
•    1988 Shadow Man
•    1990 Cruel Crazy Beautiful World
•    1991 Scatterlings of Juluka
•    1992 The Best of Juluka
•    1994 In my African Dream
•    1994 Live and Rarities
•    1995 Heat, Dust and Dreams
•    1996 A Johnny Clegg and Juluka Collection
•    1996 Scatterlings (US version)
•    1997 Crocodile Love
•    1997 Premium Gold Collection
•    1997 The Very Best of Johnny Clegg & Savuka
•    1998 Le Rock Zoulou de Johnny Clegg & Sipho Mchunu
•    1999 The Johnny Clegg Anthology
•    2000 The Best of Juluka / Savuka
•    2002 New World Survivor
•    2003 Live and More (DVD)
•    2003 Jane Goodall´s Wild Chimpanzees (Soundtrack)
•    2006 Heart of the Dancer (remix)
•    2007 One Life

 

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